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Unser Musical-Sommer 2010 |
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Die
Schwarzen Brüder
- Die Kraft wahrer Freundschaft - Text: Mirco Vogelsang – Musik: Georgij Modestov Seebühne Walenstadt (Schweiz) 20. + 21. August 2010 |
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Dass wir noch die
Vorstellung von „Die Schwarzen Brüder“ sehen würden, hatte ich eigentlich
schon abgeschrieben – aber dann fuhren wir doch kurzentschlossen noch vor der
Derniére zum Walensee. Auch wenn alles recht hektisch und ungeplant war,
würde ich trotzdem alles wieder genau so machen. Es waren drei schöne Tage,
die wir in der Schweiz verbracht haben! Das Musical „Die
Schwarzen Brüder“ ist das Nachfolgestück vom Musical „Heidi“, das hier praktisch am
Original-Schauplatz gespielt wurde. Auch die „Schwarzen Brüder“ ist eine
Geschichte, die in der Schweiz spielt und deshalb gut auf die Seebühne
Walenstadt passt. Ich finde es immer besonders schön, wenn ein Stück einen
Bezug zum Aufführungsort hat. Die Geschichte der
„Schwarzen Brüder“ beruht auf wahren Begebenheiten, die noch bis zur Mitte des
letzten Jahrhunderts zur Realität in den teilweise armen Tälern im
Hochgebirge zählt. Menschenhändler kauften den armen Familien ihre Kinder auf
Zeit ab – abkaufen ist eigentlich zu viel gesagt, denn eigentlich nahmen sie
nur einen Esser vom Tisch mit. Manchmal bekamen die Familien auch etwas Geld,
um die größte Not zu lindern, wenn z.B. eine Arztrechnung bezahlt werden
musste. Die Kinder wurden
in die großen Städte von Nord-Italien wie Mailand oder Turin gebracht, wo sie
unter miserablen Bedingungen bei ihren Arbeitgebern untergebracht waren. Für
die Unterbringung und das wenige Essen mussten sie hart arbeiten und die
verstopften Kamine von innen reinigen – Hitze, Ruß und Rauch machten den
Kindern das Leben schwer und viele überlebten den ersten Winter in der Stadt
nicht. Das Gelände der
Seebühne liegt direkt am Ostufer des Walensee. Außer der Bühne und der
Tribüne für die Zuschauer waren auch noch Zelte aufgebaut, in denen für das
leibliche Wohl gesorgt wurde. Sicher war da für jeden Geschmack etwas dabei.
Wer aber ein bisschen mehr Ruhe wollte, der konnte sich einen gepackten
Picknickkorb mitnehmen und direkt am Ufer die Landschaft genießen. Da der
Einlass zum Gelände zwei Stunden vor Vorstellungsbeginn war, war auch genügend
Zeit dazu. Die Bühne in
Walenstadt war ein beeindruckendes Gebilde, das auf verschiedenen Ebenen und
einer Drehbühne immer wieder neue Schauplätze bilden konnte. Acht !!
sichtbare Treppen und einige Brücken verbanden die einzelnen Ebenen. Auf den
ersten Blick sehr beeindruckend, aber für die Darsteller sicher ein
halsbrecherisches Bauwerk mit Stolperkanten und hohen Treppenstufen.
Vielleicht wäre weniger hier mehr gewesen, denn die Kulisse des Walensee und
der Bergmassive sind eigentlich schon genug und beeindruckend schön. |
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Auf diesem Foto kann man die Bühne und die Kulisse im
Hintergrund gut erkennen |
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Das Musical: Die Tessiner Jungs
Alfredo (Janko Danailow) und Giorgio (Bernhard Viktorin) lernen
sich am Hafen kennen. Der Mann mit der Narbe, Antonio Luini (Florian
Schneider), ein Kinderhändler, hat die Beiden und noch einige weitere Jungs
ihren Eltern abgekauft und will sie nach Mailand bringen, wo er sie an
Kaminfeger verkaufen wird. Alfredo und Giorgio werden Freunde und
beschließen, sich auch in Mailand weiterhin zu treffen. Die Reise in einem kleinen Boot über
den Lago Maggiore verläuft tragisch – das Boot kentert im Sturm. Sehr
eindrucksvoll wird das auf der Bühne dargestellt, indem ein kleines Boot am
Horizont auftaucht und dann plötzlich seitlich wegkippt. Der echte See wird
hier als Kulisse genutzt. Das Leben in
Mailand ist bunt und es gibt alles zu kaufen – für Leute die Geld haben. Die
Bühne verwandelt sich in einen Marktplatz mit Marktfrauen, Zeitungsjungen und
gut gekleideten Bürgern. In einer Kneipe warten bereits die Schornsteinfeger
der Stadt auf „Nachschub“. Als Luini mit nur zwei Jungs ankommt, ist die
Enttäuschung groß und jeder möchte einen davon kaufen. Der Preis ist
natürlich höher als sonst und so kommen die Kinder für einen sehr hohen Preis
zum neuen Meister. Battista Rossi (Steffen Friedrich) hat Giorgio für
84 Lira gekauft und wird dafür von seinem mürrischen Eheweib ausgeschimpft.
Alfredo kommt für 83 Lira an den unberechenbaren Givo (Andreas Berg),
der den Jungen auch schlägt. Giorgio lebt bei
den Rossi’s in einem kleinen Verschlag und bekommt wenig zu essen. Angeletta
(Kristin Bauersachs), die Tochter der Familie, ist sterbenskrank. Sie
hat Mitleid mit Giorgio und gibt ihm von ihrem Essen ab. Das liebenswerte
Mädchen wird Giorgio’s Freundin, die ihm hilft und ihn unterstützt so gut sie
es noch kann. |
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swiss-image.ch
/ Photo by Andy Mettler |
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Die
Drehbühne mit dem Zimmer von Angeletta, der Verschlag von Giorgio und der
Küche der Rossi’s Angeletta
bringt Giorgio Essen in den Verschlag |
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Zusammen mit
Meister Rossi zieht Giorgio durch die Straßen von Mailand und bietet die
Schornsteinfeger-Dienste an. Meister Rossi schickt den Jungen als lebenden
Besen in die verstopften Schornsteine. Der Schornstein auf der Bühne wird so
von innen beleuchtet, dass man den Jungen bei der Arbeit beobachten kann. Die
Hitze und der Russ setzen dem Jungen arg zu und am Ende eines Tages ist er
sehr erschöpft. Da er sich einsam
fühlt, sucht Giorgio nach seinem Freund Alfredo. Er trifft ihn zusammen mit
weiteren Kaminfegerhelfern. Sie haben sich zu einer Gemeinschaft
zusammengeschlossen – „Die Schwarzen Brüder“. Giorgio wird auch in die
Gemeinschaft aufgenommen und spricht den Schwur. Die Jungs sind am
äußeren Rand der Gesellschaft und werden von allen verspottet. Auch von der
Gruppe der „Wölfe“, denen sich der Sohn der Rossi’s, Anselmo (Patric
Scott/Philipp Eisenmann) angeschlossen hat. Er macht Giorgio das Leben
schwer und hetzt auch die „Wölfe“ gegen ihn auf. Die harte Arbeit setzt
den Jungen sehr zu. Alfredo wohnt in einem Verschlag im Park und träumt von
seiner Heimat, dem Tessin, das zu jeder Jahreszeit wärmer und besser
erscheint als Mailand. Kurze Zeit später stirbt Alfredo. Vorher gibt er
Giorgio noch ein Medaillon, das er für seine Schwester zusammengespart hat.
Zufällig kommt auch Meister Givo in den Park und kann das Medaillon an sich
bringen. Es kommt zum Streit mit den „Schwarzen Brüdern“, in den sich auch
die „Wölfe“ einmischen. In einem feinen Haus
mit viel Personal laufen Vorbereitungen für eine große Feier. Als der Koch (Björn
Christian Kuhn) einen Truthahn in den Ofen schiebt und dieser total
geschwärzt wieder herauskommt, wird nach der Hilfe eines Kaminfegers gerufen.
Meister Rossi schickt Giorgio in den heißen Schornstein. Das ist aber zu viel
für den Jungen – er wird ohnmächtig. Dr. Casella (Christoph Wettstein),
der Hausherr, kommt zur Hilfe und beschließt dem Jungen zu helfen. Er
verordnet ihm ein paar Tage Ruhe und kauft ihm auch noch neue Kleidung und
Schuhe. |
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swiss-image.ch / Photo by Andy Mettler |
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Im feinen Haushalt bricht Giorgio zusammen, als er in den
heißen Schornstein klettern muss. Dr. Casella hilft Giorgio. |
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Lange Freude hat
Giorgio nicht an seinen neuen Schuhen. Sie werden ihm aus seinem Verschlag
gestohlen. Frau Rossi (Sissy Staudinger) deckt ihren hinterhältigen
Sohn aber und lügt ihrem Mann vor, dass sie für Anselmo die Schuhe gekauft
habe. Battista Rossi
sitzt später einsam in der Kneipe und trauert den schönen Tagen mit seiner
Frau nach. Das Leben hat beide sehr verändert. Und auch Frau Rossi zeigt Herz
und Gefühl und erinnert sich, dass sie ihren Mann doch einmal sehr geliebt
hat. Das Schicksal hat beide sehr hart gemacht. |
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swiss-image.ch / Photo by Andy Mettler |
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Familie Rossi
(Sissy Staudinger, Patrick Scott und Steffen Friedrich) machen Giorgio (2.v.l. Bernhard Viktorin) das Leben schwer |
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Eine Schlägerei
zwischen den „Wölfen“ und den „Schwarzen Brüdern“ wurde wegen der Beerdigung
von Antonio verschoben. Als die Gegner nun wieder aufeinander treffen, ist
Giorgio immer noch wütend, dass ihm seine neuen Schuhe gestohlen wurden. Es
stellt sich heraus, dass Anselmo der Dieb war. Der Anführer der Wölfe
überführt ihn auf frischer Tat, als er Giorgio auch noch das Amulett stiehlt,
das Antonio ihm für seine Schwester mitgegeben hat. Damit hat er die Wölfe
gegen sich aufgebracht und bekommt seine Strafe. Giorgio beschließt
zu fliehen und zurück in seine Heimat zu gehen. Zusammen mit den anderen
„Schwarzen Brüdern“ gelingt
ihnen mit der Hilfe von Dr. Casella die Flucht. Alle außer Antonio kommen glücklich zurück in die Heimat.
Giogio vermisst seinen Freund und singt ein trauriges Lied für ihn. |
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Mein Fazit: Ein sehenswertes
Musical, das zwar keinen absoluten Show-Stopper hatte, das aber durch viele
schöne Melodien überzeugte. Die Nähe zu den Original-Schauplätzen half beim
Verstehen und hinterließ einen nachhaltigen Eindruck. Die Darsteller
waren sehr gut passend zu ihren Rollen ausgewählt und überzeugten alle mit
guter Stimme und tänzerischen Leistungen. Kostüme und Requisiten waren
liebevoll ausgesucht und gestaltet. Einzig die Bühne war in meinen Augen ein
„Touch too much“ – eine einfachere Version hätte doch bei DER Kulisse den
gleichen Effekt erzeugen können. Es wurde übrigens
nicht in „Schweizer Deutsch“ gespielt und gesungen – aber den Schweizer
Darstellern brachte das Publikum trotzdem immer einen besonders herzlichen
Applaus. Das Orchester unter
Leitung des jungen musikalischen Leiters, Andreas Felber, ging gut auf das
Geschehen auf der Bühne ein und ließ sich auch durch technische Verzögerungen
nicht aus dem Konzept bringen. Alles in Allem durften wir zwei wunderschöne,
aber auch sehr unterschiedliche Vorstellungen am Walensee genießen. Am ersten
Abend hatten wir das Pech, dass die Drehbühne ihren Dienst versagte und nach
einer Pause von 45 Minuten ohne Drehbühne improvisiert weitergespielt wurde.
Am zweiten Abend war dann alles repariert und wir erlebten die Show so, wie
sie eigentlich geplant war. Ein besonderes Lob an die Darsteller, die trotz
der Tücken der Technik eine großartige Leistung boten und sich nicht –
zumindest nicht für Erstzuschauer sichtbar – aus dem Konzept bringen ließen. |
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Die Darsteller:
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Das
Kreativteam:
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Fotos vom Schlussapplaus “Die Schwarzen Brüder” >>
Hinter den Kulissen mit Sissy Staudinger >> Website Sissy
Staudinger mit vielen weiteren Fotos |
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