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Barbarossastadt Gelnhausen Archäologische
Grabungen
auf dem Gelände des ehemaligen Hainer Hofes (später Gärtnerei
Haldy) Führung am 10. Oktober 2014 |
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Nach der Schließung
der Gärtnerei Haldy in der Philipp-Reis-Straße in Gelnhausen wurde das
Gelände verkauft - nun entstehen Wohnungen an gleicher Stelle. Bei den
Baggerarbeiten wurden aber schon ziemlich schnell alte Mauerreste und andere
Spuren im Erdreich gefunden, die Archäologen als frühere Besiedllung deuten.
Die Mauerreste stammen vermutlich aus dem 18. oder 19. Jahrhundert, aber die
Verfärbungen der Erde und gefundene Erdkeller lassen auf eine Nutzung im 12.
Jahrhundert - also schon zur Zeit Barbarossas - schließen. Außerhalb der
Stadtmauer der neu gegründeten Reichsstadt Gelnhausen siedelten also damals
schon Menschen. Warum sie hier und nicht innerhalb der Stadtmauer wohnten,
weiß man noch nicht. Zitat: "Gelnhausen
war zu dieser Zeit größer als gedacht, wohl noch bedeutender, als es ohnehin
schon damals war, und es ist möglicherweise auch älter als gedacht."
Claus Bergmann, Kreisarchäologe |
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"Schenken Sie ihrer Frau ein Loch! Nichts ist beständiger
als ein Loch. Ein Loch vergeht nie!" Mit diesen Worten
begann die Führung des Kreisarchäologen Claus Bergmann durch die Grabungen
auf dem ehemaligen Haldy-Gelände. Er erklärte uns anhand von Verfärbungen der
Erde, dass man auch nach Jahrtausenden noch nachweisen könne, dass an
bestimmten Stellen schon einmal gegraben wurde, bzw. sich ein Loch befand,
weil später andere Erde aufgefüllt wird. |
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Durch die Verfärbung des Bodens wurde hier ein Erdkeller
nachgewiesen. Das darüber früher einmal befindliche Haus ist nicht mehr
nachweisbar, aber der Keller deutet auf die Besiedlung hin. |
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In einem ganzen Bereich befinden sich ziemlich eng
nebeneinander solche Keller. |
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Hier erkennt man,
dass das darüber befindliche Haus abgebrannt sein muss. Der Brandschutt ist
in das Loch des Eckpfeilers gestürzt und war noch so heiß, dass der Lehmboden
in der roten Schicht gebrannt wurde. |
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In der Bildmitte
erkennt man an der Bodenbeschaffenheit, dass sich hier einmal ein
Abwasserkanal befunden hat - im 12. Jahrhundert!! Gelnhausen hatte also bereits
ein Abwassersystem als in anderen, größeren Städten wie Frankfurt, Hamburg
oder Berlin der Nachttopf noch auf die Straße gekippt wurde. |
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Archäologen können
aus diesen Scherben lesen. Die Tonscherbe rechts weist weniger Verzierungen
auf als die auf der linken Seite - also stammen die Teile aus verschiedenen
Epochen. In diesem Fall aus der Zeit Friedrich Barbarossas und seines Enkels
Friedrich II. |
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Auf einer
Schautafel wurden auch Fotos aus der privaten Sammlung von Familie Haldy gezeigt.
Dieses Foto dürfte aus der Zeit nach dem 2. Weltkrieg stammen. Die Stadtmauer
(rechts) ist noch von kleinen Häusern verdeckt. Das Schild weist darauf hin,
dass das Land Hessen hier ein neues Gerichtsgebäude (heutiges Amtsgerich)
errichtet. Links stehen noch die markanten Torbogen des ehemaligen Haines
Hofes, die später in den Stadtteil Burg versetzt wurden. Hinter diesen Toren
befindet sich das Grabungsgelände. |
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Dieses "Straßenpflaster" hatte für die Archäologen
keine besondere Bedeutung. |
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Auch ein 9m tiefer gemauerter Brunnenschacht befindet sich auf
dem Grabungsgelände. Er stammt aber aus einer späteren Besiedlung und führt
heute auch kaum noch Wasser. |
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Für uns war es sehr
interessant, einmal einen Einblick in solche Grabungen erhalten zu können.
Architekt Rack hat eng mit der Denkmalschutzbehörde zusammengearbeitet und
die Besichtigung möglich gemacht. Besonders interessant waren natürlich die
Erläuterungen des Kreisarchäologen Claus Bergmann, der mit seinem
Enthusiasmus viele interessierte Besucher anstecken konnte. Nachdem die
Grabungen abgeschlossen sind und alles aufgenommen und katalogisiert ist,
werden die Bauarbeiten auf dem Gelände weitergehen. Es werden Wohnungen enststehen
- und vielleicht gibt es ja irgendwann noch bessere Methoden für die
Erforschung solcher Fundstätten. Dann kann hier ja vielleicht noch
weitergeforscht werden. |
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Gudrun Kauck 2014 |
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